Wertvollster Nürnberger im Interview
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Dauerbrenner mit gefährlichen Flanken und schnellen Dribblings: Berkay Yilmaz hat sich im zweiten Jahr seiner Leihe vom SC Freiburg zum 1.FC Nürnberg nicht nur zum Leistungsträger entwickelt, sondern avanciert im Marktwert-Update am Freitag auch zu einem der zehn wertvollsten Spieler der 2. Bundesliga. Im Interview erzählt der 21 Jahre alte Linksverteidiger, wie Can Uzun ihm zum Club riet, wie Javier Pinola und Miroslav Klose ihn fördern und wie er seine Zukunft nach der Saison sieht.
Transfermarkt: Berkay, am Freitag ist Marktwert-Update in der 2. Bundesliga und für dich geht es zum fünften Mal in Folge nach oben. Welche Rolle spielen die Marktwerte für dich und deine Teamkollegen?
Berkay Yilmaz: Wir wissen schon meistens, wann die Marktwert-Updates kommen. An den Tagen spricht man dann in der Kabine auch mal darüber. Beim letzten Mal haben ein paar der Jungs mich darauf angesprochen und gesagt: „Jetzt bist du der wertvollste Spieler bei uns.“ Und dann schaut man halt bei den Kollegen auch mal kurz drüber, was sie so für Updates bekommen haben.
Transfermarkt: Das ist für uns natürlich ein schönes Feedback, danke! Du bist Ende August 2024 für zwei Jahre auf Leihbasis nach Nürnberg gewechselt. Wie kam die späte Entscheidung zustande?
Yilmaz: Es ist relativ spät dazu gekommen, weil ich vorher bis Ende Juli noch bei der U19-EM war. Im Anschluss gab es zunächst gute und offene Gespräche mit Freiburg. Ich wollte auf möglichst hohem Niveau Spielpraxis sammeln, im Bundesliga-Kader war die Linksverteidiger-Position aber sehr stark besetzt. Dadurch kam es mit Nürnberg zustande. Dort habe ich mit Trainer Miro Klose, dem damaligen Sportdirektor Olaf Rebbe und Sportvorstand Joti Chatzialexiou gesprochen und sie haben mich von ihrem Plan überzeugt.
Transfermarkt: Wie sahen die Argumente aus?
Yilmaz: Ich wollte idealerweise in eine Mannschaft, die eine Spielart hat, in die ich mit meinen Stärken passe. Die Fußball spielt, weil ich auch eher ein klassischer Straßenkicker bin. Auch wenn es spät war, ist es Gott sei Dank so zustande gekommen. Alle drei Parteien sind sehr, sehr glücklich, wie es verlaufen ist, auch wenn es am Anfang schwierig war. Dieses Jahr habe ich gemerkt: Nürnberg ist perfekt. Die Spielart, die Stadt, das ganze Drumherum, das Trainerteam, die Mannschaft. Ich bekomme auch positives Feedback aus Freiburg, dass es für sie eine super Entscheidung war.
Transfermarkt: Can Uzun kanntest du aus der türkischen U17, er war dann aber bereits nach Frankfurt gewechselt. Hast du vorher mit ihm über den Club gesprochen?
Yilmaz: Als ich bei der U19-EM war, haben wir ein bisschen darüber gesprochen. Can meinte, dass Nürnberg nach mir gefragt habe, wie meine Persönlichkeit so ist. Ich hatte zu dem Zeitpunkt natürlich noch den vollen Fokus auf dem Turnier. Aber danach haben wir weitergesprochen und er hat mir Nürnberg empfohlen und gesagt, dass es das Beste ist, was ich machen kann für meine Entwicklung. Dass es eine super Mannschaft ist, auch wenn viele Spieler gegangen sind.
Wie Berkay Yilmaz sich zum wertvollsten Nürnberger entwickelte
Transfermarkt: Dauerbrenner, schon sechs Vorlagen, super Werte beim Dribbling… du spielst die beste Saison deiner bisherigen Karriere. Was sind die ausschlaggebenden Gründe dafür?
Yilmaz: So viele Jahre habe ich natürlich noch nicht hinter mir, aber es läuft für mich persönlich wirklich gut. Ich denke, ausschlaggebend ist die Erfahrung vom letzten Jahr: Die ersten Spiele in der 2. Bundesliga, den Stammplatz erobert und den Schwung in die Sommerpause mitgenommen. Dort habe ich viel trainiert und für meinen Kopf gemacht. Dazu kommt das Vertrauen des Trainerteams, das mir immer mitgegeben hat, dass sie auf mich setzen. Natürlich wollte ich etwas zurückgeben und habe gesagt, dass sie diese Saison noch einmal einen anderen Berkay sehen werden. Letztes Jahr lief es schon gut, aber ich wusste, dass ich noch mal etwas drauflegen kann. Dass sich das jetzt auszahlt, ist natürlich sehr schön. Jetzt haben wir noch einige wichtige Spiele und ich hoffe, dass ich noch ein paar Scorer sammeln und der Mannschaft damit helfen kann, die Saison auf einem guten Platz zu beenden.
Transfermarkt: Du sagst, du hast für dich selbst noch mal Einiges erarbeitet im Sommer. Wie sah das aus?
Yilmaz: Ich habe eine Ernährungsberaterin hinzugezogen, um mich dahingehend zu spezialisieren. Zudem werden uns in Nürnberg für jeden Spieler gezielt Supplements angeboten. Dort habe ich auch etwas zugelegt und darüber hinaus mit einem Personaltrainer in meiner Heimatstadt gearbeitet, um meine Stärken zu stärken und mich dort zu verbessern, wo ich Nachholbedarf hatte. Das habe ich verändert, aber sonst bin ich immer gleichgeblieben: immer hungrig und fleißig. (grinst)
Transfermarkt: Club-Legende Javier Pinola hatte als Spieler ähnliche Stärken wie du – welchen Einfluss nimmt er auf deine Entwicklung?
Yilmaz: Von ihm habe ich schon und kann auch weiterhin sehr viel lernen. Er hat in der Bundesliga, der 2. Liga und in Argentinien auf meiner Position gespielt und hat einen großen Einfluss auf mich. Am Anfang, als ich Zeit brauchte, um in die Mannschaft zu kommen, hat er mich immer motiviert und gesagt, dass ich dranbleiben soll, weil ich wirklich kurz davor bin. Er hat mir gesagt, dass ich offensiv extrem stark bin, aber defensiv zulegen kann. Dort sind wir immer dran geblieben mit Einzelanalyse und vielen Gesprächen. Deshalb bin ich diese Saison viel stabiler geworden. Dafür bin ich sehr dankbar. Dass ich so viel von ihm lernen kann, ist ein großer Glücksfall für mich.
Transfermarkt: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Miroslav Klose als Cheftrainer?
Yilmaz: Er ist natürlich ein Weltstar, den ich vorher aus dem Fernsehen kannte. Aber er ist im Umgang wirklich entspannt, man kann gut mit ihm reden, nicht nur über Fußball. Zugleich ist er ein sehr guter Trainer, der einem fußballerisch mit seiner extremen Erfahrung viel mitgibt. Etwa, wie ich als Linksverteidiger die Stürmer in der Box füttern soll, wo er am liebsten die Bälle hinbekommen hat und wie ich diese schlagen kann. Das sind super Tipps von einem Weltmeister und WM-Rekordtorschützen. Ich bin sehr dankbar für sein Vertrauen, die ehrliche Kommunikation seit Tag eins und ihn hier in Nürnberg als Trainer zu haben.
Transfermarkt: Nürnberg steht im Mittelfeld. Der Saisonbeginn lief eher weniger, danach gab es eine stärkere Phase, zuletzt das 0:1 gegen Düsseldorf. Wie bewertest du die bisherige Saison insgesamt?
Yilmaz: Genau, der Start war etwas holprig, aber auch teils sehr unglücklich, das muss man sagen. Es gab ja drei, vier Spiele hintereinander, in denen wir das Gegentor erst ganz spät bekommen und dann steckt man so ein wenig in der, entschuldigt bitte, Scheiße. Aber daraus sind wir stark zurückgekommen, als der Kader komplett und eingespielt war. Letzten Spieltag haben wir nicht unsere Leistung gebracht, aber wir müssen weitermachen. Die nächsten Spiele…
Transfermarkt: …beim Vorletzten Kiel, zuhause gegen den FCK und danach gegen die direkte Konkurrenz um Braunschweig, Dresden, Bielefeld, Magdeburg und im Derby gegen Fürth…
Yilmaz: …sind sehr wichtig. Genau, es kommen viele Gegner, die derzeit knapp hinter uns stehen. Die 2. Liga ist ja sowieso unglaublich eng beisammen, da muss man am besten jedes Spiel punkten. Wir wollen es besser machen, wie wir es auch schon häufig gezeigt haben diese Saison. Zuletzt sind wir dazu aber nicht richtig gekommen. Die Mannschaft ist sich dessen klar, dass wir eine Schippe drauflegen müssen, um den Abstand nach hinten zu vergrößern und idealerweise nach dem Klassenerhalt besser abzuschneiden als im Vorjahr.
Transfermarkt: Im Winter und auch im Sommer davor hätte Freiburg dich zurückholen können. Gab es aber zwischenzeitlich Überlegungen dahingehend?
Yilmaz: Es gab Gespräche, auch im Winter. Aber für mich war immer klar, dass ich bis zum kommenden Sommer beim Club bleiben werde. Weil es für mich in Entwicklung das richtige war. Außerdem wollte ich meine Mannschaft nicht nach der Hälfte der Saison im Stich lassen.
Viel Kontakt mit Freiburg: So plant Yilmaz seine Zeit nach Nürnberg
Transfermarkt: In Freiburg ist dein Vertrag noch bis 2028 gültig. Langsam aber sicher dürfte in Hinblick auf die nächste Saison die entscheidende Phase in deiner Planung anbrechen, oder?
Yilmaz: Ich hatte sehr oft und immer wieder Kontakt mit dem SC: Mit Felix Roth, der dort für den Übergang und die Leihspieler verantwortlich ist, aber auch den Co-Trainern und zu Jahresbeginn mit Chefcoach Julian Schuster. Mir wird viel positives Feedback gegeben. Ich soll so weitermachen und dann werden wir sehen. Der SC Freiburg ist mein Jugendverein, aber mein Fokus liegt jetzt erstmal darauf, mit Nürnberg die Saison erfolgreich zu Ende zu spielen, den Rest regelt mein Berater im Hintergrund. Das bekomme ich dann immer kurz mit, aber will mich noch gar nicht intensiv damit befassen. Natürlich ist es mein Ziel, nächstes Jahr erstklassig zu spielen und dafür gebe ich Gas, wie ich es bisher gemacht habe.
Transfermarkt: Links hat Freiburg aktuell Jordy Makengo und Kapitän Christian Günter im Kader und auch Philipp Treu hat dort schon gespielt. Ziemlich große Konkurrenz…
Yilmaz: Konkurrenz hat man in jedem Verein und in der Bundesliga ist diese eben noch mal stärker. Da vertraue ich auch meinen eigenen Fähigkeiten und glaube fest an mich, dass ich auf einem hohen Level konkurrieren kann. Man muss den Konkurrenzkampf eingehen und für sich entscheiden.
Transfermarkt: In der Gerüchteküche gab es immer wieder Berichte über Interesse von teils sehr namhaften Klubs: Besiktas, Rangers, zuletzt Toulouse… Was macht das mit dir?
Yilmaz: Wirklich intensiv befasse ich mich nicht damit. Ich denke, es ist normal, wenn ein junger Spieler auf einer so guten Plattform wie der 2. Bundesliga seine Leistung bringt, dass man Aufmerksamkeit auf sich zieht. Natürlich ist es schön, wenn ein Freund einem einen Artikel zeigt, wer alles an dir interessiert ist und im Zusammenhang mit großen Klubs genannt zu werden. Aber man muss, wie gesagt, fokussiert bleiben und Gas geben. Wenn ich das mache, bin ich überzeugt, dass es noch mehr Vereine und Einträge in der Gerüchteküche werden. (lacht)
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| B. Yilmaz | ||||||||||
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Yilmaz und die Nationalmannschaft: DFB noch nicht abgeschrieben
Transfermarkt: In der türkischen U21 bist du gesetzt, da geht es in die entscheidende Phase der EM-Quali. Kroatien hat ein Spiel und einen Punkt weniger. Warum setzt ihr euch durch auf Platz 1, was die direkte Quali für die Endrunde 2027 wäre?
Yilmaz: Weil es, glaube ich, schon seit über 20 Jahren keine türkische U21 mehr bei einer EM gab. Unser Jahrgang ist sehr stark und wir haben in gutes Trainerteam. Vor allem sind wir vom Kopf und der Mentalität her wirklich gut. Spielerisch gibt es vielleicht bessere U21-Teams, aber da haben wir eine große Qualität. Deswegen glaube ich, dass wir zum Turnier fahren.
Transfermarkt: Du bist in Singen geboren. War es jemals ein Thema, für den DFB aufzulaufen? Auch wegen Can Uzun oder Kenan Yildiz ist der Talente-Verlust ja in den letzten Monaten ein großes Thema gewesen.
Yilmaz: Von Anfang an klar, dass ich für die Türkei spielen werde, war es für mich nicht. Ich bin, wie du sagst, hier geboren und fühle mich, genau wie mit der Türkei, auch mit Deutschland verbunden. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Als sich die türkische U17 gemeldet hat, habe ich diese Einladung sehr gerne angenommen. Wie es mittelfristig in der Zukunft aussieht, wenn ich mal Bundesliga spiele und die A-Nationalmannschaft zum Thema wird, da mache ich mir gar keinen Druck. Dann wird es irgendwann eine Entscheidung geben, das lasse ich auf mich zukommen.
Transfermarkt: Wie sehen deine Tipps für die WM aus: Wie weit kommen die deutsche und türkische Nationalmannschaft – wenn letztere sich qualifiziert?
Yilmaz: Die Türkei qualifiziert sich natürlich gegen Rumänien und dann Kosovo oder Slowakei – das sage ich schon mal voraus. Wie weit sie dann kommen, ist schwer zu sagen. Das Potenzial haben sie auf jeden Fall, auch für eine Überraschung zu sorgen. Ich hoffe, dass sie so weit wie möglich kommen und das Gleiche wünsche ich Deutschland. Der Kader ist wirklich sehr stark, die Gruppe schaffen sie auf jeden Fall und danach kommt es auf die Tagesform an. Am besten treffen sich beide Teams im Finale. (lacht)
Interview: Marius Soyke
Preuzeto uz navođenje izvora: www.transfermarkt.de


