Monday, March 2, 2026
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Nagelsmann über WM-Kader, Karl, El Mala & Co.: „Unterschied, ob du bei Bayern oder Köln bist“

So plant der Bundestrainer 

©IMAGO

Julian Nagelsmann hat sich in einem Interview mit dem „Kicker“ ausführlich über den WM-Kader geäußert. Der Bundestrainer erklärt, was für ihn zusammenpasst und was nicht, bewertet die Chancen von Talenten wie Lennart Karl (FC Bayern) und Said El Mala (1. FC Köln) sowie Routinier Leon Goretzka (FC Bayern) und verrät, dass es Entscheidungen geben wird, „die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen.“

Bei den Länderspielen am 27. März in der Schweiz und am 30. März gegen Ghana soll Nagelsmanns WM-Kader größtenteils stehen: „Es geht darum, wer zusammenpasst. Dabei wird es Entscheidungen geben, das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen. Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit. Weil vielleicht ein Spieler bei uns nicht in der ersten Elf eingeplant ist, der bei seinem Verein aber Stammspieler und Leistungsträger ist.“

Laut Nagelsmann ist nicht jeder Stammspieler im Verein dafür gemacht, in der Nationalmannschaft von der Bank zu kommen: Du musst extrem darauf achten, wie ein Spieler damit umgeht, wenn er bei uns Kaderplatz 15 oder 16 ist, obwohl er bei seinem Verein als Top-6-Mann gilt, der immer spielt. Kann ein Spieler, der im Verein Stammspieler ist, bei uns in solch eine Rolle wachsen oder nicht? (…) Es gibt Spieler, die diese Rolle bei uns nicht gut erfüllen können. Und da geht es, das habe ich auch schon vor der EM betont, gar nicht um einen guten oder einen schlechten Charakter, sondern es geht darum, wer für welche Position geschaffen ist.

Wer in diese Rolle schlüpfen kann und wer nicht, soll wohl final Ende März geklärt werden. „Wir haben geplant, dass wir diese Rollengespräche schon rund um die Länderspiele im März gegen die Schweiz und Ghana führen. Der Kader wird dem, mit dem wir zur WM reisen wollen, schon sehr ähneln“, so Nagelsmann.

Nagelsmann: „6 Wochen Nationalmannschaft sind wie 6 Monate Vereinsfußball“

Die WM in den USA, Mexiko und Kanada mit 48 Teams dauert vom 11. Juni bis zum 19. Juli. Die Generalproben des DFB sind am 31. Mai gegen Finnland und am 6. Juni gegen die USA. „Bei dieser WM sind wir über einen superlangen Zeitraum zusammen; sieben, acht Wochen, wenn alles gut läuft. Wenn du so lange 24/7 aufeinandersitzt, muss ein Teamgefüge auch gut funktionieren, weil es nicht wie im Verein ist, in dem der Spieler am Nachmittag nach Hause geht und am Morgen wiederkommt. Sechs Wochen Nationalmannschaft sind wie sechs Monate Vereinsfußball.“

Für diese lange Zeit will Nagelsmann ein funktionierendes Mannschaftsgefüge mit WM-Fahrern, die ihre Rolle akzeptieren. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es Spieler geben wird, die sich nicht als Kaderplatz 15 oder 16 sehen. Das wird der Spieler vielleicht nicht öffentlich sagen, aber im Gespräch unter vier oder sechs Augen. Am Ende muss sich jeder Spieler ehrlich committen, erst mal verbal. Aber dann muss er im März auch zeigen, dass er hinter dem gesprochenen Wort steht und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Ich weiß aus Erfahrung, dass das nicht jeder kann“, meint Nagelsmann.

Die wertvollsten Kader stellen aktuell die Nationalmannschaften von England (Kaderwert: 1,3 Mrd. €), Frankreich (1,29 Mrd. €), Spanien (1,15 Mrd. €), Brasilien (932 Mio. €) und Portugal (841 Mio. €) – Nagelsmanns Team folgt auf dem 6. Platz mit 828 Mio. Euro. Allerdings fehlten im letzten Aufgebot u.a. Jamal Musiala und Kai Havertz.

„Natürlich ist es so, dass die Kader von Portugal, Frankreich oder Spanien in der gesamten Breite besser besetzt sind als wir. Wir sind in der Spitze nicht schlechter, nur wenn von dieser Spitze jedes Mal drei oder vier Spieler fehlen, dann wird es schwierig. Wenn bei Frankreich ein Mbappé und noch drei andere Top-Spieler fehlen, haben sie noch mal zehn Alternativen auf ähnlichem Niveau. Jamal, Kai und Florian Wirtz waren bei der Heim-EM drei enorm wichtige Säulen unserer Elf. Wenn die lange fehlen, hemmt das automatisch die Entwicklung. Wir hatten einfach zu viele Ausfallzeiten im letzten Jahr“, weiß Nagelsmann. Kai Havertz fehlte bei Arsenal in dieser Saison 33 Spiele, bei Bayerns Musiala waren es sogar 35 Partien und Florian Wirtz pausiert derzeit angeschlagen beim FC Liverpool.

Beim Thema Qualität kommt Nagelsmann auf den drittteuersten deutschen Fußballer der Geschichte zu sprechen: Nick Woltemade. „Nick ist normalerweise ein junger, sehr talentierter, guter Spieler, der 2025 eine ordentliche bis gute U21-EM gespielt hat. Bei Stuttgart war er zuvor nicht mal im Champions-League-Kader, hat dann eine gute Rückrunde mit sieben Toren gespielt, nicht mehr und nicht weniger. Er hat in der Summe sechs Monate Bundesliga-Fußball und ist dann der Stürmer, der uns zur WM schießen muss, weil alle anderen verletzt sind. Das ist auch für ihn schwierig und gar keine Kritik an Nick, sondern ganz normal. Er ist ein junger Spieler, der Entwicklungszeit braucht, jetzt auch in Newcastle, wie man sieht. Deswegen habe ich auch nicht den Anspruch, dass er in Newcastle 15 Tore macht und uns dann zum WM-Titel schießt. Das darf er gern, aber das wäre außergewöhnlich. Ich habe ihm erst letzte Woche gesagt, dass er entspannt bleiben soll. Wir haben Vertrauen in ihn.“

Woltemade ist mit einem Marktwert von 70 Mio. Euro Deutschlands wertvollster Mittelstürmer vor Havertz (55 Mio. €) und Frankfurts Jonathan Burkardt (35 Mio. €), der zuletzt von einer Wadenverletzung zurückgekehrt ist. Niclas Füllkrug (8 Mio.) kommt bei Milan als Joker zum Zug und bringt die meiste Erfahrung mit. Nagelsmann sagt: „Das ist zumindest auch eine Baustelle, die wir schließen müssen. Wir werden sicherlich einen Stürmer dabeihaben, der in der Luft ein bisschen was regeln kann, wenn wir mal ein Tor brauchen und nicht alles mit den Zauberern dahinter lösen können, weil der Gegner so tief verteidigt. Füllkrug war lange Zeit raus, spielt jetzt immer mal 20, mal 30 Minuten, hat aber aktuell leider keine Quote und wenig Spielzeit. Kleindienst ist seit Langem verletzt. Bei ihm steht auch in den Sternen, wie er zurückkommt.“

Nagelsmann über 6er-Position: „Brauchen für den offensiveren Part anderes Profil“

Auf der Rechtsverteidiger-Position ist Bayerns Joshua Kimmich unter Nagelsmann gesetzt, wer als sein Backup mitfährt, scheint offen: „Da sind jetzt nicht alle top im Flow in der Liga. Benni Henrichs braucht noch ein bisschen nach der schweren Verletzung, zudem spielt er auch nicht regelmäßig. Ridle Baku ist noch nicht ganz auf dem Leistungsniveau der Hinrunde. Und wir haben noch Josha Vagnoman in der Verlosung, der körperlich gut drauf ist, fast immer spielt beim VfB und das auch ordentlich macht.“

Die Qual der Wahl hat Nagelsmann auf der Doppel-Sechs – im defensiven und zentralen Mittelfeld ist der DFB breiter aufgestellt als auf den Außenverteidiger-Positionen. „Wir brauchen für den offensiveren Part ein etwas anderes Profil, aber einer von beiden hat auf jeden Fall gute Chancen zu spielen. Pavlo ist super-konstant, spielt fast immer das gleiche Niveau. Felix hat mehr Ausreißer nach unten, aber auch nach oben ganz besondere Momente. Er hat unfassbar beeindruckende physische Voraussetzungen, ist brutal schnell, groß, super-beweglich, einer der wenigen Mittelfeldspieler, die im Stand einen Spagat nach oben machen können. Seiner Leistung fehlt noch Konstanz, diese Wellen muss er glätten. Pavlo spielt immer den gleichen Stiefel. Das klingt negativ, ist aber sehr positiv gemeint. Denn für einen Trainer ist es nicht schlecht, wenn du auf eine gewisse Verlässlichkeit zurückgreifen kannst.“

Deutschlands wertvollster Spieler im defensiven Mittelfeld ist Bayerns Aleksandar Pavlovic (65 Mio. €) vor Stuttgart Angelo Stiller (45 Mio. €) und unter den Profis, die bei Transfermarkt im zentralen Mittelfeld gelistet sind, sind es Dortmunds Felix Nmecha (45 Mio. €) und Bayerns Tom Bischof (40 Mio. €). „Wir vermissen in Deutschland schon einen richtig stabilen, zweikampfstarken Sechser – auch in der Luft. Ich habe sehr viele Spiele von verschiedensten Sechserkandidaten angeschaut. Aber dieses Profil, dass einer in der Luft richtig abräumt und eine gewisse Physis mitbringt, haben wir kaum. Das sind alles sehr ähnliche Spielertypen: Pascal Groß, Angelo Stiller, Pavlovic, Nmecha, selbst Robert Andrich – die wollen alle den Ball. Sie brauchen immer einen Partner neben sich, mit dem sie sich abstimmen. Das gilt im Übrigen auch für Joshua Kimmich. Der eine kippt, der andere bleibt auf der Sechs, dann kippt der andere, dann bleibt der eine auf der Sechs. Ich habe tatsächlich elf Sechser auf meiner Liste. Alles Weltklasse-Fußballer, aber alle mit einer ähnlichen Grundstruktur.“

Dieses Profil bringt Leon Goretzka mit, dessen Marktwertkurve seit 2022 konstant nach unten zeigt und von 65 Mio. auf aktuell 15 Mio. Euro sank. Beim FC Bayern pendelte der Routinier in den letzten beiden Saisons zwischen Bank und Startelf. „Stand jetzt wird Leon Goretzka, trotz weniger Spielzeit bei Bayern, gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali. Weil er einer ist, der auch in den Sechzehner geht, der kopfballstark ist und eine gute Wucht mitbringt. Ich erinnere nur an das Spiel gegen Nordirland: Wenn er da nicht gespielt hätte, hätten wir garantiert nicht gewonnen, weil er 60 Bälle weggeköpft hat. Es wird auch bei der WM Momente geben, in denen wir pressen und wo der Gegner dann lange Bälle spielt“, so Nagelsmann.

Auf die Frage, ob Antonio Rüdiger, der bei Real Madrid zuletzt 21 Spiele verpasste, ein Kandidat für die WM-Startelf ist, und damit entweder Dortmunds Nico Schlotterbeck oder Bayerns Jonathan Tah verdrängen würde, sagte der Bundestrainer: „Ich finde, dass sie das sehr gut gemacht haben und auch in der Liga sehr stabil sind. Jona hatte eine komplexe Anlaufzeit bei Bayern, seitdem ist er aber sehr stabil. Und Schlotti ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Antonio hat eine große Fähigkeit, das sind die Eins-gegen-eins-Situationen im engen Raum, da ist er außergewöhnlich gut, ein richtig guter Zweikämpfer. Antonio muss 100 Prozent fit und gesund sein. Wenn er so Wehwehchen hat, die er auch bei uns teilweise hatte, kommt er nicht an sein Leistungslimit, und das ergibt dann keinen Sinn. Aber er ist da auf einem guten Weg.“ Für den DFB war Rüdiger zuletzt im September 2025 im Einsatz.

Auf sein Debüt unter Nagelsmann wartet mit Bayern-Talent Karl Deutschlands wertvollster Teenager. Über dessen WM-Chancen sagt Nagelsmann: „Lennart hatte eine superstabile Zeit. Jetzt struggelt er gerade so ein bisschen – auch, weil ein Jamal Musiala wieder fit ist und dann häufig auch Einwechselzeit von ihm bekommt. Das ist völlig klar. Trotzdem ist er natürlich ein sehr interessanter Spieler, auch von seinem Profil, weil er oft ins Eins-gegen-eins geht, weil er von rechts nach innen ziehen kann auf seinen linken Fuß, weil er schwer zu greifen ist. Ich habe nicht den Anspruch, dass er Stammspieler wird, um dann bei der WM dabei zu sein. Denn das wird er nicht. Aber er muss schon einen gewissen Rhythmus sammeln, bei jungen Spielern geht es viel ums Selbstvertrauen. Er darf nicht zu uns kommen und dann die graue Maus sein, sondern er muss diese jugendliche Frische und das Freche reinbringen. Sonst kann ich auch einen Erfahrenen mitnehmen, der verlässlich seinen Stiefel spielt.“

Auch El Mala, der für den 1. FC Köln in dieser Saison schon an zwölf Toren direkt beteiligt war, aber weniger Minuten auf dem Platz stand als Karl für die Münchner, wartet auf sein erstes Spiel unter Nagelsmann. „Es ist noch mal ein Unterschied, ob du bei Bayern oder bei Köln bist. Er muss einfach mehr Spielzeit bekommen in Köln. Und diese Ansage richtet sich nicht an Lukas Kwasniok, weil ich ihn als einen Trainer kennengelernt habe, der genau beobachtet, was er für sein Spiel benötigt, auch in der Defensive. Said muss den Anspruch haben, dass er in Köln Stammspieler ist und immer spielt. Aber er spielt 50 Prozent, das ist zu wenig. Und das liegt nicht am Trainer, was man dann oft meint, sondern es liegt an ihm selbst, wie stabil er in der Defensive arbeitet. (…) Ein Trainer verzichtet nicht freiwillig auf seinen Top-Spieler, sondern er tut dies, wenn er denkt, dass dieser ihm vielleicht manchmal nicht das gibt, was er für das jeweilige Spiel braucht.“

Für Nagelsmann ist klar, wenn es um die WM-Chancen von jungen Spielern geht: „Ich finde, da muss man Tom Bischof, Lennart Karl oder Aleks Pavlovic ein bisschen anders bewerten, weil die Kaderstruktur bei Bayern eine andere ist als in Köln.“ RB Leipzigs Leihspieler Brajan Gruda zählt ebenfalls Deutschlands wertvollsten Talenten bis 21 Jahre – er stand 2024 kurz davor, in den EM-Kader zu springen. „Ich finde, er macht es ordentlich jetzt bei Leipzig. Ich hatte ihn ja schon mal dabei in der Vorbereitung auf die Heim-EM. Er bringt viel mit, aber ich glaube, er hatte damals noch gar nicht so richtig begriffen, dass es für ihn die Chance gab, bei einer Heim-EM dabei zu sein. Am Ende geht es darum, dass mehr Tore und Vorlagen bei ihm herauskommen. Noch ist das für seine Qualität zu wenig“, sagt Nagelsmann. In vier Wochen wird Fußball-Deutschland um einiges schlauer sein, denn „der März-Kader und das WM-Aufgebot“ werden laut dem Bundestrainer „artverwandt“ sein.

Preuzeto uz navođenje izvora: www.transfermarkt.de

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