Minnesota ist 7. Klub seit 2020
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Er ist der prominenteste Neuzugang der Vereinsgeschichte: Vergangene Woche gab Minnesota United die Verpflichtung von James Rodríguez bekannt. Der 34-Jährige wechselte ablösefrei vom Club León zu den Loons und unterzeichnete einen Vertrag bis zum 30. Juni 2026 mit Vereinsoption bis zum Ende der MLS-Saison 2026. Der Kolumbianer wird kein Designated Player sein und während seiner Zeit in Minnesota „nur“ 250.000 Dollar verdienen, um sich dort für die WM 2026 zu empfehlen.
Dass er nun länger suchen musste und vor Minnesota zahlreichen anderen MLS-Klubs angeboten wurde, dürfte seiner jüngeren Vergangenheit geschuldet sein. Rodríguez ist ein eleganter Spielmacher mit einer starken Bilanz für sein Land, hatte jedoch Schwierigkeiten, diesen Erfolg auf Vereinsebene zu reproduzieren. Nachdem er für Real Madrid und Bayern München gespielt hatte, wechselte er jährlich: Minnesota ist nach Everton, Al-Rayyan, Olympiakos, FC São Paulo, Rayo Vallecano und León sein siebter Verein seit 2020. Ähnlich wie zuletzt bei Landsmann Jhon Durán beurteilen in diesem Artikel Transfermarkt-Experten für die Länder, in denen er aktiv war, die Karriere des einstigen Top-Stars, der mittlerweile eher ein Fußball-Globetrotter ist. Von Enttäuschungen in Brasilien, Angst in Katar und einem zweiten Frühling in Mexiko.
In Minnesota, das die neue MLS-Saison am 22. Februar in Austin, Texas startet, hat die Ankunft des 122-fachen Nationalspielers für großes Aufsehen gesorgt. Gegenüber Transfermarkt.us sagt Trainer Cameron Knowles, dass der Klub „noch nie zuvor eine Option für einen Spieler wie ihn“ gewesen sei. „Beim ersten Telefonat haben wir uns seine Wünsche und die seines Umfelds angehört und dachten: ‚Mann, das könnte funktionieren.‘“ Ein wichtiger Teil der Geschichte war die Struktur des Vertrags. Da Rodríguez bereit war, finanzielle Abstriche zu machen, konnte Minnesota ihn in die Gehaltsstruktur integrieren. „Es ist fantastisch für den Verein, dass wir das über die Bühne gebracht haben“, so Knowles, der aber zu Geduld mahnt: „Es dauert noch eine Weile, bis er spielen kann. Da sind das Visum, die Fitness und andere Dinge, die eine Rolle spielen. Wir wollen nichts überstürzen.“
Vielleicht hat Knowles Recht, wenn er bei Rodríguez‘ Integration in den Kader etwas vorsichtig ist. Schließlich gibt es einen Grund, warum der Kolumbianer seit 2020 so oft gewechselt ist. „Nicht alle, aber ich bin zu Klubs gegangen, die nicht der richtige Weg für mich waren“, sagte dieser im Interview mit „The Athletic“ kürzlich selbst, „aber es war das, was mir mein Herz gesagt hat. Man lernt aus all diesen Dingen, und wenn man etwas älter wird, erkennt man, wo man Fehler gemacht hat und wo man versagt hat. Dann versucht man, denselben Weg nicht noch einmal zu gehen.“
James beim FC Everton und die körperliche Härte der Premier League
Sein damals ablösefreier Wechsel von Real zum FC Everton war, im Verhältnis, fast so sensationell wie seine Ankunft in Minnesota. „Als James Rodríguez zu den Toffees wechselte, löste dies nicht nur bei den Everton-Fans, sondern in der ganzen Premier League Begeisterung aus“, sagt Benjamin Littlemore, Content Manager UK bei Transfermarkt. „Man erinnerte sich an seinen Glanz bei der WM 2014, und dass ein Spieler dieses Kalibers in den Goodison Park kam, um sich seinem ehemaligen Real-Trainer Carlo Ancelotti anzuschließen, war für viele wie ein Märchen.“
Rodríguez startete sehr gut und sammelte in seinen ersten fünf Ligaspielen sechs Torbeteiligungen und insgesamt war sein nicht nachhaltiger Erfolg in England nicht allein seine Schuld. „Seine Gesamtbilanz von sechs Toren und fünf Vorlagen in 23 Spielen war nicht schlecht, aber sein Interesse schien schnell zu schwinden. Eine Kombination aus Verletzungen und Schwierigkeiten, sich an die körperliche Härte der Premier League anzupassen, führte dazu, dass sein Aufenthalt in Liverpool nur von kurzer Dauer war“, sagte Littlemore. Zudem war es, wie so oft in den vergangenen Jahren, auch für Everton eine chaotische Zeit. „Es wird jedoch immer noch mit einer gewissen Zuneigung darauf zurückblickt. Allein schon einen Spieler seiner Qualität zu haben, auch wenn es nicht ganz geklappt hat, ist etwas, worauf man stolz sein kann.“
Dabei hätte Rodríguez ursprünglich gar nicht zum FC Everton gehen sollen. Stattdessen stand er im Sommer 2020 kurz vor einem Wechsel zu Reals Stadtrivalen. „Er sollte bei Atlético Madrid unterschreiben, aber nachdem Real im Sommer 2019 in New Jersey mit 3:7 gegen sie verloren hatte, erlaubte Florentino Pérez ihm nicht, dorthin zu gehen“, erinnert sich Iván Fuente, Content Manager Spanien bei Transfermarkt. „Vielleicht war das der Beginn seines Niedergangs? Alles war vereinbart, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterschrieben. Nach der Niederlage im Freundschaftsspiel sagte Pérez, dass James nicht verkauft werden würde. Er musste bei Real bleiben, obwohl Cheftrainer Zinédine Zidane ihn nicht wollte.“
James bei Al-Rayyan: Leben und Kultur in Katar „sind sehr schwierig“
Nach seiner Zeit beim FC Everton wechselte Rodríguez im September 2021 für 8 Mio. Euro zu Al-Rayyan und wurde mit 28 Mio. Marktwert zum zweitwertvollsten Spieler, der jemals in die Qatar Stars League kam. Dort wurde der Transfer als großer Coup im Vorfeld der WM 2022 bezeichnet. „Seine Leistungen waren anfangs solide, wurden aber letztlich als durchwachsen empfunden“, sagt Tiberius Radziejewski, Area Manager Asia bei Transfermarkt.
Was ist also in Katar schiefgelaufen? „Sein Engagement wurde von zwei entscheidenden Faktoren überschattet“, so Radziejewski. „Erstens erhielt er eine Rote Karte, nachdem er aggressiv gegen eine Gelbe Karte protestiert hatte. Nach seiner Sperre für ein Spiel erzielte er zwar regelmäßig Tore, die Mannschaft stand jedoch weiterhin nahe des Tabellenendes. Zweitens waren seine letzten Monate in Katar besonders enttäuschend, da ihn Verletzungen – die angesichts seiner Vorgeschichte weitgehend zu erwarten waren – einschränkten und dazu führten, dass er in der AFC Champions League kein einziges Mal zum Einsatz kam. Später äußerte er öffentlich seinen Wunsch, den Verein zu verlassen, und flirtete im spanischen Fernsehen mit Valencia.“ Dafür wollte er laut eigener Aussage sogar eine „Gehaltskürzung in Kauf nehmen“.
Das kam in Katar natürlich nicht gut an. „Es löste unter den Fans, die seinen Weggang forderten, den Hashtag #Al-RayyanIsBiggerThanJames aus“, erzählt Radziejewski. „Nachdem er in den letzten sechs Monaten seines einjährigen Vertrags nur in einem Spiel zum Einsatz gekommen war, kündigte Al-Rayyan seinen Vertrag im September 2022 einvernehmlich.“ Im Dezember 2025 reflektierte Rodríguez über seine Zeit in Katar: „Das Leben und die Kultur in Katar sind sehr schwierig; es war ein Land, in dem es schwer war, sich anzupassen. Ich hatte Angst.“
Rodríguez bei Olympiakos: „Fühlte sich nie wie ein Match an“
Es folgte ein Wechsel nach Griechenland, wo Rodríguez sich Rekordmeister Olympiakos anschloss. „Obwohl er in sieben Monaten in Griechenland in 23 Spielen fünf Tore erzielte und sechs Vorlagen gab, fühlte es sich nie wirklich wie ein Match an“, meint Nikos Sofis, Area Manager Griechenland bei Transfermarkt. „Obwohl er in den meisten Ligaspielen in der Startelf stand, schaffte er es nur einmal, die vollen 90 Minuten zu spielen. Es fühlte sich einfach nie so an, als würde er sich einfügen.“
Dann veröffentlichte die spanische Zeitung „Marca“ einen Artikel mit Hintergrundinformationen darüber, warum Rodríguez‘ Zeit bei Olympiakos nur von kurzer Dauer war. Demnach kam es zum ersten Bruch, als er gegen Panathinaikos (0:2) ausgewechselt wurde, was nicht nur zu Spannungen mit dem damaligen Trainer José Anigo führte, sondern auch mit seinen Teamkollegen. Es war sein letztes Spiel für Olympiakos. Rodríguez selbst sagte später: „Ich bereue nicht, was ich getan habe. Es gibt Dinge, die man nicht bereuen sollte, besonders wenn man nicht gut behandelt wird, nicht ernst genommen wird oder nicht für seine Leistungen gewürdigt wird.“
Rodríguez in São Paulo: „Eine kurze und unauffällige Zeit“
In São Paulo hatte Rodríguez zwischen Sommer 2023 und 2024 eine „kurze und unauffällige Zeit“, wie Marcos Watts, Area Manager Brasilien bei Transfermarkt, beschreibt. „James kam als Star-Neuzugang und mit hohen Erwartungen, aber schaffte es nie, sich als Stammspieler zu etablieren. Er bestritt nur 22 Spiele, erzielte zwei Tore und lieferte vier Vorlagen, bevor er den Verein etwas mehr als ein Jahr später wieder verließ.“ Rodríguez hatte laut Watts „mit Anpassungsproblemen, Leistungsschwankungen, körperlichen Problemen und einem Mangel an Einsatzmöglichkeiten zu kämpfen – ein Faktor, den er selbst als Hauptgrund für seinen Misserfolg angab“.
Er gewann zwar mit São Paulo die Copa do Brasil 2023, war demnach aber „in entscheidenden Momenten praktisch nicht beteiligt“. Daraufhin kündigte er, auch in Anbetracht seiner herausragenden Copa América 2024, seinen Vertrag. Laut Watts endete damit eine Zeit „voller Meinungsverschiedenheiten, Kontroversen und unterdurchschnittlicher Leistungen“. Insgesamt herrsche in Brasilien nun Enttäuschung über diese Zeit. „Die Fans von São Paulo sind verbittert, weil James nie wirklich alles für den Verein gegeben hat, sondern sich stattdessen auf die kolumbianische Nationalmannschaft konzentriert hat, wo ihm ein Platz in der Startelf sicher war.“ Obwohl er gelegentlich Glanzleistungen gezeigt habe, konnte er „niemanden im Verein wirklich davon überzeugen, dass er der Star war, den viele von ihm erwartet hatten, und so erlebten beide Seiten ein Jahr voller Enttäuschungen.“
Rodríguez‘ kurze Spanien-Rückkehr endet in Kontroverse
Nach dem Aufenthalt in Brasilien kehrte Rodríguez nach Spanien zurück und wechselte im August 2024 zu Rayo Vallecano. „Während ein anderer Kolumbianer, Radamel Falcao, seinen Platz bei Rayo fand, gelang es James nie, eine Verbindung zum Verein, den Fans oder dem Trainer aufzubauen“, sagt Spanien-Experte Fuente. „Es begann schon damit schlecht, dass er nicht einmal offiziell vorgestellt wurde. Er bestritt nur sieben Spiele, in denen er lediglich eine Vorlage gab.“
Es habe Gerüchte gegeben, dass Trainer Iñigo Pérez nicht auf ihn setzte, weil er seine mangelnde Disziplin im Training nicht mochte, so Fuente. „James trug nicht gerade zur Verbesserung der Situation bei, als er in einem Interview die Qualität seiner Teamkollegen in Frage stellte. Danach einigten sich Verein und Spieler darauf, ihn nicht mehr spielen zu lassen, bis eine Lösung gefunden war.“ Diese Lösung war im Januar 2025 der nächste Transfer, diesmal nach Mexiko.
Rodríguez in Mexiko: „Der entscheidende Spieler“ beim Club León
Nach einer halben Saison in Spanien kehrte James über den Atlantik zurück und wechselte ablösefrei zum Club León in die Liga MX. Es sah so aus, als würde er endlich wieder zu seiner Form zurückfinden. „Rodríguez‘ Zeit in León ist nicht mit der Lautstärke zu bewerten, die sie verursachte, sondern aufgrund seines Impacts“, sagte Osvaldo González Camacho, Area Manager Mexiko bei Transfermarkt. „Obwohl er in der Apertura nur etwa 64 Prozent der verfügbaren Spielzeit auf dem Feld stand, war er dennoch der entscheidende Spieler der Mannschaft.“
Es sei darauf geachtet worden, dass er körperlich nicht überstrapaziert wird und das dankte Rodríguez mit im Schnitt einer Torbeteiligung alle zwei Spiele. „Immer wenn er auf dem Platz stand, drehte sich Leóns Offensive eindeutig um ihn: Tempo, letzter Pass und Verantwortung bei Standardsituationen – all das lief über Rodríguez“, sagt Camacho.
Warum hat er dann den Verein verlassen? „Das Projekt verlor seine Richtung, als León nach der Entscheidung des CAS von der Klub-WM 2025 ausgeschlossen wurde“, sagte Camacho (zu den Hintergründen). „Die Mannschaft war auf dieses Turnier ausgerichtet gewesen, und die Kluft zwischen Erwartungen und Realität wurde schnell größer. Trotzdem behielt Rodríguez in bestimmten Phasen der Saison seinen Einfluss; er war weniger explosiv als in seiner Blütezeit, aber strategischer: weniger Sprints, mehr Pausen, Positionierung und Entscheidungsfindung.“ Da León jedoch seine Versprechen nicht einhalten konnte, beschloss James, sich erneut nach einem neuen Abenteuer umzusehen.
Rodríguez hat Kolumbien immer „Priorität eingeräumt“
Für den Kolumbianer waren die vergangenen Jahre eine ziemliche Odyssee. Letztlich ist er wohl von einem Verein zum nächsten gewechselt, um seine Karriere in der Nationalmannschaft fortzusetzen. „James Rodríguez hat der kolumbianischen Nationalmannschaft immer Priorität eingeräumt“, unterstreicht Samuel Vásquez Rivas, Area Manager Kolumbien bei Transfermarkt. „Mit Ausnahme von Reinaldo Rueda, der ihn 2021 für einige Spiele auf die Bank gesetzt hat, wurde James immer von allen Nationaltrainern unterstützt.“
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Rodríguez, dem Nationalspieler, und dem Rodríguez, den wir im Vereinsfußball gesehen haben. „Auf Klubebene hatte James angespannte Beziehungen zu Trainern und Management, was seine schnellen Abgänge von mehreren Vereinen erklärt, darunter Al-Rayyan, Olympiakos, São Paulo und Rayo“, fasst der Experte zusammen. „Er ist ein umstrittener Spieler, der sich nicht leicht an das Vereinsumfeld anpasst, sodass seine Anwesenheit manchmal beunruhigend sein kann. Das begann schon lange vor Everton, da er auch bei der AS Monaco, Real und Bayern schwierige Beziehungen hatte.“
Seine Aussage, dass er München 2019 nach zwei Jahren auch wegen der kalten Temperaturen verließ, sei aber aus dem Zusammenhang gerissen worden: „Ich habe das eher als Scherz gemeint“, sagte er bei „The Athletic“. „Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich bin nicht wegen der Kälte gegangen. Ich habe in München gelebt. Für mich ist Kälte oder Hitze – hier (in Minnesota) zu sein oder in (der Hitze von) Barranquilla zu sein – dasselbe, denn ich denke nur ans Spielen.“
Minnesota ist jedenfalls zuversichtlich, von der Verpflichtung profitieren zu werden. „Es werden viel mehr Augen auf unsere Spiele gerichtet sein, und das ist ein positives Zeichen“, sagt United-Trainer Knowles. Das ist zweifellos wahr und kann von Vorteil sein. Wie die Vancouver Whitecaps vor Thomas Müller hatten die Loons noch nie einen so hochdekorierten Spieler im Verein. Müllers Ankunft in Vancouver veränderte die Whitecaps über Nacht und verschaffte ihnen Aufmerksamkeit auf und neben dem Spielfeld. Minnesota hofft, mit dem kolumbianischen Star eine ähnliche Wirkung erzielen zu können. Und an die Zweifler hatte Rodríguez selbst eine Botschaft: „Diejenigen sind die, die mir den Ansporn geben, auf den Platz zu gehen und meine Sache gut zu machen; sie entfachen dieses Feuer in mir.“
Originaltext von Manuel Veth, Übersetzung und Ergänzung von Marius Soyke
Preuzeto uz navođenje izvora: www.transfermarkt.de


